Dienstag, 22. Februar 2011

Kalt, Kälter, Eisbaden

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Ok, das Foto ist etwas verschwommen, aber als Beweisfoto taugt es trotzdem: Ich war Eisbaden! Und der überaus entspannte Gesichtsausdruck verrät: Ich habe mich pudelwohl gefühlt:

Drei Lehren aus dem Jungfernsprung ins kalte Wasser:

1. Rauskommen ist schlimmer als Reingehen. Wenn man ins Wasser steigt, klappern nur die Zähne. Wenn man rauskommt, schlottert der ganze Körper.

2. Badelatschen mitnehmen,und zwar solche, in die man ganz einfach schlüpfen kann. Mit den bloßen Füßen auf dem blanken Eis umher zu hüpfen, ist kein Vergnügen. Vor allem, weil die nasse Haut blitzschnell am Eis festfriert. Deshalb: Latschen geschikt am Ufer platzieren.

3. Fingerfertigkeit üben. Das Umziehen nach dem Eisbaden verlangt viel Willenskraft. Schnell soll es gehen, und ist doch so schwierig, weil sich die Hände vom Handgelenk abwärts in Eisklumpen verwandelt haben - Null Gefühl. Da hilft kein Schütteln und Reiben. Nur genaue Beobachtungsgabe und bewusste Befehle: "So ihr Hände, aufgepasst, jetzt greifen wir die Jeans und ziehen sie laaaangsam nach oben!"

Freitag, 18. Februar 2011

Alles besenrein

Eishexen-1-

Als ich das erste Mal das Wort „Broomball“ hörte, musste ich an Harry Potter denken. Liegt ja irgendwie nahe. Kein anderer Zauberschüler schwebt so geschmeidig auf seinem „Broom“ - dem Besen - wie der „Auserwählte“. Nun hat Broomball aber rein gar nichts mit eleganten Luftsalti und sanftem Gleiten zu tun. Das wurde mir exakt in der Sekunde klar, als mir das erste Mal eine Gegnerin in die Beine grätschte und der scheppernde Aufschlag meines Kopfes samt Helm noch lange in den Ohren nachhallte.

Jedes Jahr, etwa im Dezember, werden die Tennisplätze an der deutschen Botschatt unter Eis gesetzt. Dann startet die Broomball-Liga. Deutsche, Finnen, US-Amerikaner, Engländer, Kanandier – diese Teams und noch viel mehr sind dabei. Gespielt wird eine Mischung aus Feldhockey und Eishockey. Es gibt Eis, aber keine Schlittschuhe. Russische Reisigbesen (daher der Name des Spiels) werden zu Schlägern zusammengebunden. Sechs gegen Sechs, Kampf um jeden Zentimeter Eis.

Broomball ist Sport, na klar. Aber wer behauptet, er sehe manchmal nicht extrem lustig aus, der lügt. Erinnert sich noch jemand an die japanische TV-Show Takeschi's Castle, die in den 90er Jahren auch in Deutschland zum Kult avancierte? Da versuchten Menschen in Kostümen, die sie aussehen ließen, wie das Michelin-Männchen, über Mauern zu klettern und über schmale Balken zu balancieren. Sie wankten, kullerten, krachten aneinander – und die Fernsehzuschauer grinsten. So ähnlich ist es beim Broomball auch. Wer einmal versucht hat, auf spiegelglatter Fläche einen Sprint zu starten, weiß, wie schnell die Nase auf dem Eis landet. Es ist einfach ein Ding der Unmöglichkeit in einer dick gepolsterten Eishockey-Kluft samt pampersähnlichen Hosen stilvolle Pirouetten zu fabrizieren. Dann schon eher Bauchklatscher. Nicht gerade ladylike.

Und der Sport? Kommt trotz allem nicht zu kurz. Es gibt eine Liga, Playoffs und Herzschlagfinale. Die Finnen gelten als unschlagbar, sowohl männlich als auch weiblich. Es gibt Angstgegner – das sind die US-amerikanischen „Frozen Assets“ für die deutschen „Eishexen“ – und Punktlieferanten – das ist das englische Männerteam, die „Ice Pirates“, 19 Tore geschossen, 148 Tore gefangen.

Nach dem Spiel geht es nicht ins Ermüdungsbecken sondern an den Grill und an die Glühwein-Thermoskanne. Zumindest für diejenigen, die noch aufrecht stehen. Gelegentlich kommt es vor, dass Spieler nach dem Schlusspfiff vom Platz humpeln oder getragen werden. Und das soll ja auch in Joanne K. Rowlings Harry-Potter-Zauberwelt durchaus vorgekommen sein. Harrys gebrochener Arm wurde in einer Nacht heilgezaubert. Bei Broomball-Spielern dauert so etwas ein bisschen länger.

PS: Auf dem Foto bich ich die, die besonders gefährlich aussieht

PSS: Am Mittwoch großes Broomball-Finale gegen die Finnladies. Alle die Daumen drücken.

Montag, 14. Februar 2011

Ruhe in Frieden

Ein Nachruf auf die Winterzeit

Plötzlich, aber nicht ganz unerwartet ist sie tot, die russische Winterzeit. Na gut, jetzt gerade ist sie noch quicklebendig, aber es ist ein Tod mit Ansage. Der Henker höchstpersönlich, Dmitrij Medwedew, hat sich offenbart und das Urteil öffentlich verkündet. In der Nacht vom 26. zum 27. März gibt es ein letztes Zucken, der Zeiger wird zum letzten Mal eine Stunde vorgestellt. Danach verschwindet die russische Winterzeit von der Bildfläche. Sie ist nur 30 Jahre alt geworden. So richtig vermissen werden wir sie nicht.

Wie hassten wir diese Nacht im Frühjahr, in der du uns eine Stunde unserer Träume raubtest. Wie traurig waren die Winterabende, an denen wir vom Bürofenster aus der Sonne beim viel zu frühen Untergehen zusehen konnten. Du hast unser Leben durcheinander gebracht, du machtest uns sentimental, manchmal depressiv. Es ist zwar ungehörig so etwas am Grab eines Beinahe-Verblichenen zu sagen, aber wegen deines Auftretens sollen sich in Russland zwei Mal so viele Menschen wie üblich das Leben genommen haben, dreimal so viele hatten wegen dir einen Herzinfarkt.

Und was kommt nach dir? Der ultimative Umweltschock, weil alle Heizkraftwerke Russlands nun im Winter eine Stunde früher anfangen müssen zu heizen? Nicht mal die größten Experten vermögen es, sich auf eine Antwort zu einigen.

Uns treibt vor allem die Sorge um deinen europäischen Verwandten um. Folgt er deinem guten Beispiel? Oder wird er sich noch eine Weile starr ans Leben klammern, wie ein Schiffsbrüchiger an die treibende Planke im Meer. Falls das passiert, ist Russland demnächst dem Westen im Winter nicht zwei sondern drei Stunden voraus. Ein Unding. Wir müssen es so knallhart sagen: Die Winterzeit gehört auch in Deutschland abgeschafft. Dafür legen wir dir ein paar Eisblumen aufs Grab.

Sonntag, 21. November 2010

Ein Hauch von Weihnacht

Aus aktuellem Anlass, weil heute Morgen zum ersten Mal ein weißer Hauch über Moskau liegt: Es fühlt sich schon ein bisschen weihnachtlich an. Seit diesem Wochenende ist der Tannenbaum vor der deutschen Botschaft mit fußballgroßen Weihnachtskugeln geschmückt. Passend dazu gabs den großen Weihnachtsbasar, der auch bei Russen besonders beliebt ist. Herr Niederegger aus Lübeck hatte ne große Fuhre Marzipan geschickt (nach drei Stunden ausverkauft). Fünf Koblenzer Bäckermeister hatten sich die Finger wund gebacken und Plätzchen unter die Leute gebracht (nur noch Krümel vorgefunden), Botschaftsfrauen hatten Lebkuchenhäuser entworfen, bei denen die olle Hexe aus "Hänsel und Gretel" grün vor Neid geworden wäre (Preise lagen überm Budget) und ungefähr 500 Moskauer Kinder werden sich den Advent mit einem deutschen Adventskalender versüßen (ich nicht). Rostbratwürste gabs auch und zünftigen Glühwein dazu. Alles ganz schön anheimelnd. Nur diese Männer in den grauen Anzügen haben irgendwie gestört. Die, die immer irgendwie ins Leere starren und gaaaanz unauffällig ein Knöpfchen im Ohr tragen. Aber wir sollten uns freuen, dass sie da sind. Sie wollen uns nur beschützen. Einer von ihnen hat es dann auch gesagt: "Keine Angst, sie sind hier in Sicherheit. Wir sind ja hier nicht in Berlin!"

Dienstag, 2. November 2010

Ein bisschen demonstrieren

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Sie hat die besten Jahre schon hinter sich, aber sie hat noch viel vor. Das Fernsehen hat sie neulich bei einer illegalen Demonstration gefilmt. Das sei ein Problem sagt sie und sieht dabei kein bisschen verunsichert aus, höchstes stolz. Auf dem Triumfalnaja Ploschtschad, gleich vor dem doppelt mit Eisenzäunen gesicherten Denkmal des Dichters Wladimir Majakowskij, steht eine Frau, weiße Strickmütze auf dem grauen spröden Haar und binnen zwei Minuten sagt sie fünf Mal den gleichen Satz: „Putin muss weg.“

Sie sagt noch mehr. Dass die Russen viel zu lange geschlafen haben, dass es Zeit ist, aufzustehen. Dass Milow, Nemzow und die Mitstreiter von Solidarnost es allemal besser machen würden als die jetzige korrupte Führungscrew. 9000 Rubel Rente bekommt sie im Monat, abzüglich der Miete und aller Fixkosten bleiben 30 Euro zum Leben. Auch deshalb kommt sie immer wieder zur Demonstration. Die Strategie stimmt. „Jetzt haben sie uns 800 Teilnehmer erlaubt, beim nächsten Mal werden sie uns noch mehr genehmigen. Wir werden immer mehr.“ Noch verlaufen sich die wenigen Menschen auf dem Platz, aus den Lautsprechern klingt Musik, die viel Ähnlichkeit mit französischen Chansons hat. An diesem Ort wird an diesem Tag ein kleines Stück Geschichte der russichen Bürgerrechtsbewegung geschrieben.

Erstmals hatte die Moskauer Stadtverwaltung Ende Oktober eine Demonstration der so genannten „Strategie 31“ zugelassen. Jenem Bündnis von Oppositionellen, das seit fast eineinhalb Jahren jeweils am 31. eines Monats für Versammlungsfreiheit demonstriert. Genau die gewährt eigentlich der Artikel 31 der russischen Verfassung. Das ändert nichts daran, dass die Moskauer Stadtverwaltung alle bisherigen Anträge der „Strategie 31“ auf Demonstartionen ablehnte. Die Unverwüstlichen, die trotzdem kamen, landeten regelmäßig auf den Moskauer Polizeiwachen. Die Erlaubnis für den 31. Oktober war eine der ersten Amtshandlungen des neuen Moskauer Bürgermeisters Sergej Sobjanin.

Wann immer an diesem Tag einer der Protagonisten der Bewegung auftaucht, bilden sich dichte Menschentrauben. Männer mit schwarzen Schiebermützen und Kinnbärten schlendern über den Platz, schütteln Hände, sammeln mit ihren Witzen Lacher und Kopfnicken. Ihnen haftet die lässige Attitüde von Menschen an, die fest davon überzeugt sind, auf der richtigen Seite zu stehen, es besser zu wissen. Die Grand Dame der „Strategie 31“, Ljudmila Alexejewa, bewegt sich trotz Krückstock erstaunlich schnell. Um den Hals trägt die 83-Jährige ein Plakat, fast so groß wie sie selbst. Sie verteilt an die Umstehenden weiß-blau-rote Buttons mit einer großen „31“ darauf. In der ersten Reihe stehen auffällig viele Demonstranten, die altersmäßig fast mit Alexejewa mithalten können. Als sie endlich auf der Ladefläche steht und zum Mikrofon greift, fehlen ihr für einige Sekunden die Worte. Ihre Stimme wirkt zerbrechlich, erst als sie zum ersten Mal den Sprechchor „Dies ist unsere Stadt“ anstimmt, wird sie kräftiger.

Von da an wechseln die Redner im Takt weniger Minuten. Auf Alexejewa folgt Boris Nemzow, in dunkelblauer Strickjacke und Jeans sieht er fast aus wie ein Schuljunge, der übt, Präsident zu sein. Sergej Udalzow, Anführer der „Linken Front“, würde dagegen auch gut als Bösewicht im Fersehkrimi durchgehen. Die Hand zur Faust geballt brüllt er in das Mikrofon. Die Sprechchöre versiegen schon nach wenigen Sekunden, ab und an brandet höflicher Applaus wie in einem Konzertsaal auf, einzelen „Hurra“-Rufe sind zu hören. Alle Redner feiern den Abend als Sieg der Bürgerrechte, danken den Demonstranten für ihre Ausdauer. Nur von einem Sprechen sie nicht: Von Eduard Limonow, geistiger Vater der „Strategie 31“. Er geht an diesem Abend auf seine eigene Demonstration. Eine illegale.

Es ist der Wermutstropfen für alle, die auf eine erstarkende russische Opposition setzen. Just im Moment ihres größten Erfolges haben sich die Organisatoren zerstritten. Die Genehmigung der Stadt war nämlich mit Auflagen versehen. Nicht mehr als 800 Menschen sollten auf dem Triumphplatz für ihr Recht demonstrieren dürfen. Die Veranstalter hatten 1500 Teilnehmer angemeldet. Ljudmila Alexejewa akzeptierte schließlich die Bedingungen, weil sie sich nach eigener Aussage über jede „Errungenschaft“ freut. Limonow hingegen beschimpfte seine einstige Weggefährtin als „unehrlich“, bestand auf seine eigene, nicht genehmigte Demo. Wer unter den 800 zugelassenen Demonstranten nach Limonow fragt, erntet viele wegwerfende Handbewegungen. Ein Blender sei er, nur auf den Posten des Präsidenten aus, heißt es. Wer sehen möchte, was Eduard Limonow und seine Anhänger bewegen, muss sich bis an den Rand des Platzes durchkämpfen. Dort, wo Blitzlichter den inzwischen dunklen Himmel erhellen und Milizbrigaden Menschenmauern bauen.

Eduard Limonow ist natürlich gekommen. Mit Megafon und Leibgarde. Und weil er auf den Treppenstufen des Tschaikowskij-Konzertsaales quasi illegal demonstriert, herrscht um ihn herum das blanke Chaos. Frauen kreischen, Menschen stolpern, die Menge wogt, ab und zu flammt kurze Panik auf. „Es war eine Manifestierung der Polizeigewalt und eine Manifestierung der Bürgerrechte“, schreibt Limonow noch am selben Abend in seinen Blog. Nach einem handesten Gerangel bekommt die Miliz Limonow schließlich doch zu fassen und schleppt ihn davon. Wohin? Auf die Hauptdemonstration auf dem Triumphplatz. Der Gründer der Demonstration wird von den Staatsorganen zur Demonstration gezwungen. Limonow ergreift umgehend die Flucht.

Samstag, 23. Oktober 2010

Wie ich einmal Wasser stahl

Eine Fabrik am Baikalsee. Der exakte Name wird hier mal lieber verschwiegen. Wer googeln kann, ist klar im Vorteil. Wichtiger ist sowieso die Geschichte dieses Werkes. Vor über 40 Jahren entdeckten russische Wissenschaftler, dass sich mithilfe des klasklaren Baikalwassers blütenweißes Papier herstellen lässt. Gesagt, getan. Es entstand eine Zellulosefabrik, die schon zum Zeitpunkt ihrer Inbetriebnahme nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik war. Schlimmer noch: Die Abwässer, die bei der Produktion entstanden, wurden in den größten Süßwassersee der Erde geleitet. Vier Jahrzehnte lang. Dann musste die Fabrik 2008 schließen, strengere Umweltauflagen hatten den Betrieb einfach unrentabel gemacht. Die Geschichte hätte glücklich enden können. Wenn es in Russland nicht einen Ministerpräsidenten namens Putin gäbe. Der entschied Anfang dieses Jahres: Das Ding wird wieder aufgemacht. In dem Städtchen rund um die Fabrik waren fast alle Menschen arbeitslos geworden, Putin trieb wohl die Sorge vor einer kleinen Meuterei. Proteste der Unesco und Umweltschützern rund um den Erdball nutzten nichts: Seit April wird am Baikal wieder Zellulose produziert.

Sprung in die Gegenwart: Anfang Oktober. Eine Gruppe Journalisten darf die streng abgeschirmten Werksräume der Zellstofffabrik betreten. Wochenlang war zuvor über diesen Besuch verhandelt worden. Am Ende mag den Ausschlag gegeben haben, dass sich auch die deutsche Generalkonsulin aus Nowosibirsk angkündigt hatte. Der wollte man nicht die Tür vor der Nase zuschlagen. Eine mitangereiste Mitarbeiterin einer lokalen Umweltschutzorganisation und ein Lokaljournalist werden allerdings vor dem Tor abgewiesen. Der Rest wird eingelassen. Die Regeln sind klar: Keine Fotos (Zum Glück gibt es Handykameras) und keine dummen Fragen.

Die Führung führt durch die Trocken- und Zuschneidehalle und zur Kläranlage. Die Hallen, in denen die Chemie angerührt wird, das Holz zerhäckselt wird, die Zellulose hergestellt wird sind Sperrgebiet. Die Gruppe wird gut bewacht. Drei Mitarbeiter gehen voraus, ein Herr im silber glänzenden Anzug folgt, bewacht alle mit Argusaugen und passt auf, dass niemand zurück bleibt. Auf Nachfrage gibt er sich als "Sicherheitsmann" aus.

Die Kläranlage ist Zentrum aller Diskussionenum das Werk. Kein Wunder. Auch sie ist 40 Jahre alt. Man sieht es ihr an. Selbst diejenigen, die schon öfter Kläranlagen gesehen haben, sind erschrocken. Geborstene Rohre, zerfressener Beton, wacklige Holzstege über den Wasserbecken. Ein unerträglicher Gestank von vergorenem Grünkohl liegt in der Luft. Tiefbraun kommt das Wasser aus der Fabrik. Es sprudelt, klatscht gegen die Betonwände, blubbert, erzeugt dicken Schaum, dessen jahrzehntelange Überreste sich als dicke Kruste auf den Rohren abgesetzt haben. Eine spricht aus, was alle denken: "Wenn sie uns das hier zeigen, was verschweigen sie uns dann." Wie sauber ist das Wasser wirklich, was in den Baikalsee geleitet wird? Die Antwort nach der Besichtigung: Es ist leicht gelblich, auf keinen Fall klar wie das gerühmte Baikalwasser. Die Bitte der Journalisten, eine Wasserprobe nehmen zu dürfen, wird abgeschlagen. Eine Idee entsteht: Dann machen wir es einfach heimlich.

Inspiriert vom A-Team wird der Plan entworfen. Ein Team lenkt die Mitarbeiter mit dummen Fragen ab. Ein anderes Team verwirrt den "Sicherheitsmann" mit Resten von der Kaffeetafel. Einen Windbeutel kann auch der strengste Russe nicht ohne Weiteres abschlagen. In Windeseile wird hinter dem Rücken der Mitarbeiter ein wenig Wasser in eine 0,5-Liter-Flasche abgefüllt. Deckel drauf, ab in die Jackentasche, unauffällig gucken.

Natürlich sind alle mächtig stolz auf den Coup. Bis die mitgereisten studierten Naturwissenschaftler erklären, dass jeder Analyselaborant die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, wenn er diese Probe in die Hand bekommt. Die Wasserentnahme entsprach keinen wissenschaftlichen Richtlinien und eine Plastikflasche ist nicht der geeignete Aufbewahrungsort für so eine Probe. Macht nix. Spaß gemacht hat es trotzdem! :)


PS: Der Direktor der Fabrik hatte übrigens bei eine zehnminütigen Audienz erklärt, das Wasser, das aus der Kläranlage kommt, sei so klar wie Mineralwasser. Man köne es sogar trinken. Klar wie Mineralwasser war es wie oben schon beschrieben nicht. Und als wir die Mitarbeiter an der Kläranlage versuchsweise fragten, ob wir denn mal probieren dürften, guckten die uns an, als ob wir gefragt hätten, ob wir uns einen Dolch ins Herz jagen dürften.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Gruß an Erich

Schach1Neulich in Kalmückien. Die Steppe ist weit, die Hauptstadt Elista liegt mittendrin. Der Name Kalmückien klingt ja schon so, als habe sie irgendein Autor für irgendeinen fiktiven Reiseführer erfunden. Kalmückien gibts aber wirklich, und so etwas Verrücktes wie diese russische Republik kann man sich gar nicht ausdenken. Nicht nur, dass der (Noch)-Präsident Kirsan Iljumschinow steif und fest behauptet, er sei 1997 von Außerirdischen entführt worden - man kann ihm wohl kaum das Gegenteil beweisen. Iljumschinow ist aber auch noch Präsident des Weltschachverbandes FIDE. Irgendwann in seiner Jugend, als sein Gehirn noch nicht während einer extraterristischen Mission vernebelt wurde, war er nämlich mal ein ganz passabler Schachspieler. Deshalb stehen nun also in dieser einzigen buddhistischen Republik Europas nicht nur Tempel und Buddhas sondern sind auch alle Nase lang Schachbretter auf den Asphalt gemalt. In die Hauptstadt Elista hat Iljumschinow dann noch das futuristische "Chess City" bauen lassen, eine Mischung aus Florida, Las Vegas und Dubai. Man kann dort in einem Pool baden, Sushi essen - und ganz viel Schach spielen oder gleich das Schachmuseum besuchen. Dort gibt es auch ein Schachpräsent aus dem Irak. Iljumschinow und Saddam waren nämlich mal gute Schach-Kumpels.

Seis drum, die Menschen in Kalmückien sind offen, warmherzig und pflegen ein schon fast peinlich gutes Deutschlandbild. Höhepunkt der deutsch-kalmückischen Woche Ende September: Der deutsche Karaokeabend an der staatlichen kalmückischen Universität. Studenten singen Rammstein - und die deutschen Besucher geben Dieter-Bohlen-like ihre Bewertungen ab. Ganz zum Schluss, als die letzten Takte von "Sag mir wo die Blumen stehn" schon längst verklungen sind, tritt der Moderator auf die Bühne und kündigt noch ein Schmankerl zum Abschluss an. Ein Student der linguistischen Fakultät möchte den deutschen Gästen noch eine Freude machen. Er singt - Tusch und Trara - "Auferstanden aus Ruinen". Der junge Mann im Anzug, der da auf die Bühne tritt, wirkt so feierlich, als säße Erich Honecker persönlich im Publikum. Nur leider kann er nicht singen und ganz textsicher ist er auch nicht. Die Stimmung im Saal ist trotzdem erstklassig. Der Entsandte der Deutschen Botschaft rutscht etwas tiefer in seinen Sessel, klatscht aber trotzdem tapfer mit. Leider hat man in solchen Momenten nie eine vernünftige Kamera dabei. Ein kurzes Beweisvideo gibt es trotzdem. Einfach den Download starten.

MOV03881 (mpg, 7,406 KB)

Schach-2PS: Was ich nicht verschweigen möchte. Ich hab in Kalmückien auch fünf Tage lang Schach gelernt.

1. Tag: Gegen einen Sechsjährigen in gefühlten drei Zügen verloren
3. Tag: Die drei Goldenen Regeln verinnerlicht: Kampf um die Mitte, Entwickle deine Figuren, Angriff ist die beste Verteidigung
5. Tag: Mein Schachlehrer stellt sein Zeugnis aus: "Es ist immer interessant, Frauen beim Schach zuzuschauen. Genauso gut könnte man einem Schimpansen eine Bombe in die Hand geben. Da weiß man auch nicht, wo er sie hinwirft."

Samstag, 18. September 2010

Alles fließt

Wolga

Nein, das ist nicht die Adria oder der Atlantik, das ist die Wolga, wie sie sich beschaulich durch das russische Städtchen Uljanowsk schlängelt. Bis zu vier Kilometer breit, man sieht das andere Ufer kaum. Die Spätsommersonne scheint, auf der Wolgapromenade flanieren Pärchen - Urlaubsstimmung.

In Uljanowsk übrigens, wurde ein gewisser Wladimir Uljanow geboren. Später fand er seinen Nachnamen wohl irgendwie unpassend, er nannte sich Lenin. Wladimirs Geburtshaus steht ganz nahe am Wolga-Ufer, diekt neben dem Klotz, den seine Nachfolger ihm zu Ehren dort hinsetzen ließen. Im Lenin-Memorial erfährt man, dass Lenins Eltern auch nur zur Miete wohnten, seine Mutter eine Deutsche war, und dass der kleine Wladimir gern mit Bauklötzern spielte.

Uljanowsk hieß früher mal Simbirsk. Dann starb Lenin und irgendwas musste getan werden. Der Name Leningrad war schon vergeben (heute heißt die Stadt wieder St. Petersburg). Uljanowsk aber bleibt Uljanowsk. Das ist man dem berühmtesten Sohn der Stadt schuldig. "Simbirsk" heißt nur noch das Café an der Straßenecke.

East Side Gallery

„Jeder russische Mensch fühlt, wenn er auf Moskau blickt, dass es seine Mutter ist“, sagte der Schriftsteller Lew Tolstoi. Er hat nicht verraten, was die Stadt für Besucher aus der Fremde bereit hält. Ich bin gespannt...

Ansehen

Panzer3

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Als meine Besucher am...
Als meine Besucher am 1.1.2012 in Port Said ins Meer...
erik-n - 26. Feb, 12:13
Auch wenn die Frage jetzt...
Auch wenn die Frage jetzt vielleicht etwas spät...
Menschchen - 21. Jun, 13:26
Крута!
...und ich dachte, ich wär mutig am 28. April...
Хайди (Gast) - 12. Mai, 12:33
Danke
Die königlichen Würden werden mir völlig...
Mischkala - 15. Mrz, 08:52
Whoa...
... Respekt. Das wollte ich auch immer mal machen,...
KrishA (Gast) - 13. Mrz, 18:19
Kalt, Kälter, Eisbaden
Ok, das Foto ist etwas verschwommen, aber als Beweisfoto...
Mischkala - 22. Feb, 16:23
Alles besenrein
Als ich das erste Mal das Wort „Broomball“...
Mischkala - 18. Feb, 13:54
Go for Präsidentenberater
Also wenn ich diesen flammenden Appell lese, kommt...
Mischkala - 16. Feb, 16:20

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